Presse
Mädchen finden Spaß an der Technik
Schwarzwälder Bote, 23.04.2009 von Matthias Winter und Axel Wolf
Furtwangen. Am gestrigen »Girls Day« beteiligten sich mehrere Firmen aus der Raumschaft sowie die Hochschule. Bei der Firma SSS Siedle durften die 16 Mädchen einen CD-Ständer mit Temperaturanzeige mit nach Hause nehmen, bei Ketterer Getriebe fertigten sich zwei Schülerinnen einen Flaschenöffner an.
Laubsägen erfordert schon beim Werkstoff Holz einiges an Geschick; wenn es darum geht, Messing zu bearbeiten, gilt das um so mehr. Da ist es schon ein großes Lob, wenn Philipp Scherzinger zu Angelina Pfaff meint: »Sieht ganz gut aus.« Die Neuntklässlerin vom OHG steht zusammen mit Melanie Schwer in der Werkstatt der Firma Ketterer. Philipp Scherzinger, Auszubildender im dritten Lehrjahr, weist sie in die hier anstehenden Arbeiten ein.
Angelinas Geschick kommt nicht von ungefähr: »Mein Vater hat eine Werkstatt«, berichtet sie; der Umgang mit Werkzeugen ist ihr also keineswegs fremd. Was kleine Rückschläge nicht ausschließt: Kaum, dass Philipp Scherzinger sie gelobt hat, bricht ihr das Sägeblatt entzwei. Das kann jeder passieren. Auch Melanie, die an der anderen Werkbank steht, hat wenige Minuten zuvor dasselbe Missgeschick ereilt.
Im Gegensatz zu Angelina, die sich durchaus vorstellen könnte, einen technischen Beruf zu ergreifen, möchte Melanie über das eintägige Schnuppern hinaus nicht weiter in diesem Teil der Arbeitswelt aktiv sein. Sie hat vor Ostern ein Praktikum als Industriekauffrau gemacht und Gefallen daran gefunden.
Auch Lena Lingnau und Sabrina Bröde freuen sich über die Möglichkeit, Einblick in die Arbeitswelt zu gewinnen. Aber Technische Zeichnerin wie Gabriele Merz, die sie an diesem Tag betreut, kommt für beide nicht in Frage. Lena würde gerne Floristin werden, Sabrina möchte sich »in Richtung Büro« entwickeln.
Was für die Teilnehmerinnen nur eine Momentaufnahme ist, bringt für die beteiligten Firmen einen erheblichen Arbeitsaufwand mit sich. Rund 300 Stunden Zeit für Vorbereitung und Ablauf des Tages investierte das Ausbildungsteam der Firma Siedle in den »Girls Day«.
Auch wenn am gestrigen Donnerstag mehr die Auszubildenden selbst im Vordergrund standen, die den Mädchen Arbeitsgänge und Techniken erklärten. »Die Jugendlichen sprechen eben dieselbe Sprache«, meint Ausbildungsleiter Michael Schonhardt. Das Programm vorbereitet hatte vor allem Simone Jeschke, Ausbilderin Mechanik, zusammen mit Mathias Seeburg, Ausbilder Elektronik, und sie standen auch den ganzen Tag über als Ansprechpartner für Fragen und Probleme bereit.
Von 7.30 bis 15.30 Uhr standen die Mädchen bei Siedle »auf der Matte«, »einen gefühlten langen Arbeitstag«, schmunzelt Schonhardt. Natürlich gab es dazwischen auch einige Pausen.
Bereits am 16. Februar waren die Plätze bei Siedle »ausgebucht«. Die Teilnehmerinnen kamen aus der ganzen Region, den weitesten Anreiseweg hatte ein Mädchen aus Gutach. Sogar aus Haslach im Kinzigtal gab es eine Anmeldung, die aber zurückgezogen wurde, denn die Anfahrt erwies sich doch als zu umständlich. Die Ausbilder hatten verschiedene Stationen vorbereitet, Arbeiten an der Bohr- und Drehmaschine, das Schneiden von Blechen, Löten, Feilen und Programmieren konnte geübt werden. »Die Mädchen sollten Dinge machen, die sie vorher noch nie gemacht haben«, erläuterte Michael Schonhardt.
Erfreut zeigte er sich deshalb darüber, dass 13 der 16 Mädchen zum ersten Mal beim »Girls Day« mitmachten. Eingefunden hatten sich hauptsächlich Realschülerinnen, auch eine Gymnasiastin war dabei. Spaß hat es auf jeden Fall gemacht, wie die Teilnehmerinnen bekundeten. Und das ist die Hauptsache, denn schließlich soll der Tag gerade Mädchen dazu animieren, einmal einen technischen Beruf kennenzulernen und daran Gefallen zu finden.
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